Mehr Freiheit mit Pareto – Wie du 80% aller Dinge in 20% der Zeit erledigst
Karsten Wusthoff 9. November 2010Foto: abnelphoto.com
“Eitel ist es, mit mehr zu tun, was auch mit weniger getan werden kann” – Wilhelm von Ockham
Willkommen im Gemüsegarten
Moment mal, Gemüse? Ja Gemüse… genauer gesagt sogar Erbsen. Diese hat der italienische Ökonom Vilfredo Pareto (oder “Vilfi”, wie ich ihn gerne nenne) nämlich in seinem Garten gezüchtet. Und eben diese grünen Hülsenfrüchte brachten ihn auf eines der tollsten Prinzipien der ganzen weiten Welt.
Doch von vorne: Im Jahre 1906 entdecke Vilfi, dass 80% seiner Erbsen von nur 20% seiner Pflanzen produziert wurden. Das muss ihn wohl so beeindruckt haben, dass er dieses Prinzip sofort weiter untersuchte und auch tatsächlich fündig wurde. Pareto stellte fest, dass 20% der Bevölkerung 80% des italienischen Gesamtvermögens besaßen. Und als wäre das nicht genug ließ sich diese ungleiche Verteilung von Ursache und Wirkung auch bei sehr vielen anderen Dingen feststellen (Arbeitsleistung, Umsätze in Unternehmen, Lernverhalten etc.). Was soll man sagen, das “Paretoprinzip” wurde ein Selbstläufer und ist heutzutage ein fester Bestandteil eines jeden Zeitmanagement-Seminars.
Nochmal kurz und knapp:
- 80% eines gesamten Ergebnisses wird von 20% der Gesamtheit erzeugt
- Man benötigt 80% der Gesamtheit um die letzten 20% des Ergebnisses zu erzeugen
Hier eine flippige Grafik, die das ganze anschaulicher darstellt:
Und zur endgültigen Veranschaulichung ein paar Beispiele:
- 80% des Umsatzes eines Unternehmens werden von 20% der Kunden generiert
- 80% aller Unterhaltungen kann man mit 20% aller Vokabeln einer Sprache führen
- 80% deiner To-Do Liste kannst du mit 20% der Gesamtzeit abarbeiten
- 80% aller Kinder werden von 20% der männlichen Bevölkerung gezeugt (Ok das hab ich mir ausgedacht… aber lustig wär’s schon)
Man sieht also, dass das Paretoprinzip quasi die Grundlage der Effizienz (Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen) ist. Und Effizienz ist gerade bei einem vielseitigen Lebensstil eine tolle Sache. Beim Lifestyle Design geht es schließlich darum, Zeit für die eigene Selbstverwirklichung zu finden und diese so entspannt und wirkungsvoll wie möglich umzusetzen.
80% ist mehr als ausreichend für… fast alles!
Aber was bringt dir die ganze Erbsenzählerei? Ganz einfach: unbeschreiblich viel.
Ich selbst war nie ein großer Fan von Perfektionismus. In der Schule, im Sport, in der Selbstständigkeit – minimaler Aufwand bei maximalem Ergebnis war einfach viel zu verlockend. Warum auch einen Großteil meiner Zeit mit den schwierigsten und detailliertesten Problemen verschwenden, wenn ich in der Sonne liegen kann?! In vielen Bereichen ist 80% mehr als ausreichend – und bietet einem viel Zeit für die schönen Dinge im Leben.
Die Grundvoraussetzung ist allerdings, dass du dir Gedanken machst. Denn ohne ein wenig Analyse ist auch das schönste Prinzip schwer umzusetzen.
Wir gehen mal chronologisch vor. Beispiel: Du möchtest eine Sportart (z.B. Judo) erlernen.
- Suche einen passenden Verein
- Finde heraus, welche 20% der Bewegungsabläufe (Würfe+Haltegriffe) am häufigsten benötigt werden (Videos ansehen, mit Sportlern und Trainern sprechen, Zuschauen…)
- Übe diese Bewegungsabläufe
- Zack: Du hast das Niveau eines Semi-Profis erreicht
- Teste dein Wissen in Wettkämpfen
Ich habe bewusst Judo als Beispiel gewählt, weil ich selber 7 Jahre lang aktiv Judo und Jiu-Jitsu trainiert habe. Am Ende habe ich mehr als 50 verschiedene Würfe, Haltegriffe, Hebel etc. beherrscht – wie viel davon habe ich wohl tatsächlich in Wettkämpfen gebraucht? Richtig…maximal 10 Stück.
Kreativität ist gefragt
Du kannst das Paretoprinzip für fast alles anwenden. Im Studium (welche 20% des Stoffen werden für 80% der Klausur benötigt), im Beruf (welche 20% meiner Aufträge bringen mir 80% der Einnahmen) oder beim Wohnung-Putzen (welche 20% meiner Wohnfläche sind für 80% des Eindrucks verantwortlich). Was du im Endeffekt daraus machst ist deine Sache.
Natürlich gibt es auch Bereiche, in denen auch ich die vollen 100% verlange: Beim Arzt möchte ich z.B. die volle Leistung haben. Ein “Och… die letzten 20% des entzündeten Blinddarms nehmen mir jetzt zu viel Zeit weg. Lasst uns lieber Cocktails schlürfen gehen. Ach und Wunde muss auch nur zu 80% versorgt und genäht werden…” ist nicht gerade besonders vielversprechend.
Also
1. Frag dich selbst “Bringt es mir Vorteile, das Paretoprinzip anzuwenden?”. Sparst du dadurch Zeit (besonders wertvoll), Geld (nützlich) oder sonstige Ressourcen?
2. Wie kannst du das Paretoprinzip anwenden? Analysiere die Situation und mache einen Plan, wie die Umsetzung und das Ergebnis aussehen könnten.
3. Tu es und erfreue an dich deiner neu gewonnen Freiheit!
Viel Spaß und bis später…
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Literatur zum Thema:
Das 80/20 Prinzip: Mehr Erfolg mit weniger Aufwand von Richard Koch, Friedrich Mader, und Birgit Schöbitz – 24,90€
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