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“Weil wir der Meinung sind, dass du erst überzeugt sein solltest, bevor es um Geld geht.” – Von der Uberspace-Webseite
So ich bin wieder da. Lange Zeit hat’s gedauert, aber es gab einfach zu viele coole Baustellen, die noch nebenbei bearbeitet werden wollten. Zum Beispiel meinen Amerikatrip oder meinen Umzug nach Berlin. Dazu aber später mehr.
Jetzt hab ich erstmal ein echtes Schmankerl für euch! Ein INTERVIEW. Und zwar mit einem Geschäftsführer einer tollen Firma.
Jonas Pasche, oberster Käse beim Hosting Service Uberspace.de, stand mir per Stift Rede und Antwort. Und seine Antworten sind schön; hörmal… Mehr Infos zu Uberspace gibt’s am Ende (also unten!).
Jetzt mag der ein oder andere ganz laut “LAAAAANGWEILIG” rufen. Dem sage ich: Klappe zu.
Der Bereich des Hostings ist ein wahnsinnig gesättigter Markt. Und jedem, der es schafft sich dort eine Position zu ergattern, sollte man zuhören. Denn irgendwas richtig gemacht haben muss er ja. Und das hat er, der Jonas. Und wir können davon noch lernen. Zum Beispiel wie wichtig die Philosophie eines Unternehmens ist. Oder warum ein plötzliches Ausbleiben einer vierstelligen Summe nicht direkt das Aus bedeutet. Und natürlich auch ob man seine Buchhaltung selber machen soll oder nicht (Spoiler: Nein!).
Enter Jonas Pasche
Tach Jonas. Stell dich und dein Unternehmen doch mal ganz kurz in 3 Sätzen vor.
Wir sind ein Zusammenschluss von vier Systemadministratoren, und ich bin eben einer davon – wie es der Zufall so will, bin ich der Chef und die anderen drei meine Angestellten. Zwei von ihnen sind früher Kollegen gewesen, als wir noch in der gleichen Firma angestellt waren – bis jene verkauft wurde. Uberspace.de ist ein neues Standbein für uns; eigentlich kommen wir aus dem Bereich “klassischen” Hostings dedizierter Server.
Ok ein bisschen Geschichte: Wie kam es zu deinem Job? Was waren die bedeutendsten Meilensteine?
Ich war wie gesagt früher selbst bei einem Internetprovider in der Technik angestellt und habe mich damals eigentlich mit dem Ziel selbstständig gemacht, verstärkt Schulungen in Sachen Linux anzubieten. In der Rückschau war das ziemlich blauäugig und planlos, denn in dem Bereich bin ich nie übermäßig erfolgreich gewesen – stattdessen meldeten
sich nach und nach immer mehr Kunden meines früheren Arbeitgebers, die, nachdem jener seine Firma an die Konkurrenz verkauft hatte, insbesondere mit dem Support nicht mehr zufrieden waren und sich erfreulicherweise an meinen Namen erinnern konnten – so kam dann eins zum anderen.Bedeutende Meilensteine gibt es in dem Sinne gar nicht. Also, für mich sind gefühlte Meilensteine schon durchaus, dass ich nach und nach drei Leuten einen stabilen Job verschaffen konnte – das hätte ich mir vor einigen Jahren wohl eher nicht vorgestellt. Aber es sind unter dem Aspekt eigentlich keine Meilensteine, weil das einfach nur logische Konsequenzen aus einem gesunden Wachstum waren. Wenn ich auf das vergangene Jahrzehnt zurückschaue, gibt es eigentlich nur einen Meilenstein, nämlich die Entscheidung, mich selbstständig zu machen. Alles andere hat sich mehr oder weniger von alleine ergeben, mit einer gehörigen Portion Glück oftmals.
Philosophisch: Wieso hast du diesen Weg eingeschlagen (Frustration im Job, Neugierde, „Zufall“)? Welche Emotionen steckten dahinter? Was hat es dir gebracht?
Mein damaliger Arbeitgeber befand sich damals aus meiner Sicht an einem Scheideweg. Er gehörte traditionell zu den guten, aber teuren Anbietern, und mein persönlicher Eindruck war, dass er sich stärker der Preisgestaltung des Markts anzupassen versuchte und es bei knapperer Kalkulation naturgemäß schwieriger wird, die Qualität zu halten. Mir hat das nicht so zugesagt. Als Techniker bin ich relativ starrköpfig: Ich will Dinge richtig machen, nicht billig. Es war von daher absehbar, dass sich unsere Wege irgendwann trennen würden, auch wenn ich zum Zeitpunkt, als es soweit war, wie gesagt gar nicht beabsichtigt hatte, letztlich in der gleichen Branche zu bleiben. Das ist einfach so “passiert”.
Ein zweiter Grund war: Ich wollte gerne flexibler mit meiner Zeit umgehen. Meinem besten Freund habe ich damals erklärt, ich wolle mich nicht deshalb selbstständig machen, um mehr zu verdienen, sondern um weniger (!) zu arbeiten und mir meine Zeit freier einteilen zu können. Glücklicherweise erinnert er mich alle paar Jahre daran. Das mit dem “mehr verdienen” … nun ja, das eher nicht, aber ich bin zufrieden. Weniger arbeiten – das ist schwer zu sagen, denn wenn man sein Hobby zum Beruf macht, sind die Grenzen nun mal fließend. Nicht selten schaue ich mir technische Dinge privat an, weil ich sie spannend finde, und plötzlich finden sie aber auch ihren Weg ins Geschäftliche. Ehrlich gesagt verschwende ich da schlicht keine Energie, meine Arbeitszeiten zu erfassen. Was aber definitiv geklappt hat, ist die freiere Zeiteinteilung. Ich genieße es sehr, auch mitten unter der Woche einfach mal sagen zu können: Heute hab ich keine Lust, was zu machen. Ich geh lieber mit Freunden einen Kaffee trinken. Und ich versuche, so gut es geht, diesen Luxus auch meinen Angestellten zu ermöglichen.
Was es mir gebracht hat? Zufriedenheit. So viele Leute in meinem Umfeld leiden unter ihrem Job, motzen über ihre Chefs, stöhnen über aus ihrer Sicht falsche Entscheidungen. Für mich ist es einfach großartig, keine Kompromisse eingehen zu müssen und ungeniert technische Sinnhaftigkeit über das nackte Einkommen zu stellen.
Mit welchen Widrigkeiten hattest du zu kämpfen? Lief alles glatt? Was waren die größten Rückschläge/Fehler und wieso hast du weiter gemacht?
In der Rückschau kann ich aufrichtig sagen: Ja, doch, eigentlich lief alles glatt. Ich schreibe schwarze Zahlen, ich wurde nicht verklagt, ich habe nicht einen Kunden aus Unzufriedenheit verloren. Irgendwas scheine ich also richtig zu machen. Der bisher größte Rückschlag war der (nicht von uns verschuldete) Verlust eines Kunden im Bereich Softwareentwicklung, was einen stolze vierstelligen Betrag im Monat weniger bedeutet hat – für eine Firma meiner Größe hätte das durchaus auch den Exitus bedeuten können. Weitergemacht habe ich in erster Linie aus zwei Gründen: Erstens, weil an der Firma nicht nur ich hänge, sondern noch drei Jungs, für deren Gehalt ich nun mal verantwortlich bin und von denen ich nun wirklich keinen hätte entlassen wollen – zumal sowas oftmals der Anfang vom Ende ist; ich habe schon bei zweien meiner Kunden erleben müssen, wie aus “sparen” letztlich “kaputtsparen” wurde. Damit einher geht der zweite Grund: Trotz. Es lief immer alles gut, und ich war absolut nicht gewillt, wegen eines einzigen Rückschlags ein an sich gut laufendes Geschäft hinzuwerfen. Wir können viel; wir arbeiten toll zusammen; wir haben ansonsten stabile Kundenbeziehungen. Dafür war’s dann doch “nur Geld”. Ich finde, ein Unternehmen erfolgreich zu führen, auch wenn es klein ist, kann nicht immer nur an den nackten Zahlen gemessen werden.
Nun verfolgt dein Business ja eine interessante und sehr persönliche Philosophie. Wie wichtig ist die deiner Meinung nach für den Erfolg? Und was hat dich dazu bewegt es anders zu machen, als die graue Masse der anonymen Mitbewerber da draußen?
In Bezug auf Uberspace.de ist die Philosophie aus meiner Sicht nicht nur einer, sondern der ganz entscheidende Faktor für den Erfolg. Technisch gesehen kochen wir schließlich mit sehr ähnlichem Wasser wie die klassischen Webhoster. Es wäre zum Scheitern verurteilt gewesen, hier einfach noch einen weiteren aufzumachen – der Markt ist schließlich
sowieso schon zigfach übersättigt; mit Me-too-Produkten kommt man da nicht weit.Aus meiner Sicht kann man hier nur als Nische überleben, und unsere Nische ist eben die, dass wir konsequent ignorieren, wie ein Marketing-Mensch Hosting machen würde. Das heißt in erster Linie: Herausfinden, wieso genau wir eigentlich die meisten anderen Hoster gruselig finden, und dann konsequent alles so zu gestalten, dass wir zu jedem Zeitpunkt sagen können: Wir wüssten im Moment nicht, wie wir es aus technischer Sicht besser machen könnten. Dass wir damit nicht die breite Masse ansprechen können, liegt auf der Hand, aber umgekehrt verdienen wir uns damit Reputation bei genau den Leuten, die dazu in der Lage sind, hier den Qualitätsunterschied zu sehen, was sich dann in aufrichtigen Empfehlungen fortpflanzt, und das eben nicht, weil wir billig sind, sondern weil wir hochgradig zufrieden machen.
Wir wollen das Geld dabei ganz bewusst in den Hintergrund stellen. Es muss Geld fließen, klar – dafür gibt’s den Mindestpreis. Aber über die Höhe kann man dann schließlich selbst entscheiden. Für uns ist das ein ganz konsequenter Schritt, weil wir selbst die Erfahrung machen, dass die wenigsten Leute wirklich geizig sind. Wenn sie merken, dass sie für ihr Geld gute Leistungen bekommen und gut behandelt werden, dann ist kaum jemand knauserig – aber natürlich ist fast jeder erstmal argwöhnisch, und niemand geht gerne mit Geld in Vorleistung, wenn er nicht weiß, ob das, was er so bekommt, auch etwas taugt. Schon gar keine Leute, die von klassischen Massenhostern kommen und zweimal im Jahr aus Unzufriedenheit umziehen. Also drehen wir den Spieß um: Wir gehen großzügig in Vorleistung, um /erst/ zu überzeugen und /dann/ über Geld zu reden. Aber obwohl der Ansatz eigentlich ganz simpel ist, haben wir schnell gemerkt, dass es viele Menschen irritiert – mindestens genauso oft, wir wir einfach nur Zufriedenheit ernten, sehen wir, wie Leute verzweifelt nach dem Haken suchen, oder wie Leute das Konzept zwar toll finden, aber überzeugt sind, dass es niemals aufgehen können wird. Ich finde, das ist ein deutliches Zeichen, wie argwöhnisch viele Leute Webhostern begegnen – und das würde ich durch die Bank weg für ein von Webhostern hausgemachtes Problem halten.
3 kurze Tipps für jemanden, der ebenfalls ein Projekt starten will. Worauf sollte man auf jeden Fall achten?
- Nimm das Geld nicht so wichtig. Kein Geld der Welt kann ein Magengeschwür wegen Unzufriedenheit mit dem Job ausgleichen. Frag dich lieber: Macht mir das Spaß, was ich tue? Kann ich es gut? Wenn’s gut läuft, machst du den Job immerhin dein Leben lang.
- Wenn du nicht zufällig wahnsinnigen Spaß an Verwaltungsvorgängen hast: Nimm dir vom Start weg einen Buchhalter und einen Steuerberater. Das sind Bereiche, die hochkomplex sind und die einem schmerzhaft auf die Füße fallen können, wenn sie nicht vom Start weg vernünftig gemacht werden.
- Halte professionelle Distanz zu Leuten, die dir sagen wollen, wie du dein Unternehmen führen musst oder wie dein Businessplan aussehen muss. Hüte dich vor allem vor Leuten, die Geld in dich investieren wollen, wenn du nicht völlig sicher bist, dass du ihre Motive kennst.
Über Uberspace
Bei Uberspace legst du deinen Preis selber fest. Ja richtig. Erstmal kostet das sogar gar nix. Und dann kannst du entscheiden ob du 1€ oder 100€ im Monat zahlen willst. Jeden Monat änderbar. Warum? Ich zitiere:
Bei Uberspace.de suchst du dir selbst aus, wieviel du bezahlen möchtest. Denn wir sind der Überzeugung, dass auch Leute, die sich sonst einen Uberspace vielleicht nicht leisten könnten, tolle Ideen haben, die das Netz bereichern können. Und wir sind weiterhin der Überzeugung, dass nicht nur wir, sondern auch andere das unterstützen wollen, in dem sie einen angemessenen Preis bezahlen – oder auch etwas mehr. Unsicher, wieviel das sein könnte? Dann geben wir dir gerne ein paar Anhaltspunkte, wieviel ein vergleichbarer Webspace anderswo kostet.
Ich hab da auch ein, zwei Sachen liegen und es ist wunderbar easy. Der Support setzt eigene Maßstäbe (extrem schnell und hilfsbereit!) und du bekommst für deinen Wunschpreis echt ALLES. Und ich meine Alles. Ein Auszug:
- 10 GB Platz
- Gefühlt unendlich Traffic (100GB)
- Unendlich viele MySQL Datenbanken
- Für Entwickler: Perl, Python, PHP und Ruby
- Und noch ne Menge anderen Kram, den ich nicht verstehe!
- Hier die komplette Liste: http://uberspace.de/tech
Wer also noch seinen Platz im Internet nicht gefunden hat, der sollte sich die Jungs auf jeden Fall mal anschauen.
Danke für’s Zugucken und bis später!

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